Gedanken einer Jägerin und Bracco Italiano-Züchterin

Liebe Bracco Italiano Liebhaber, Freunde, Interessenten.

Vorab, das hier soll keine Jäger vs. Nichtjäger (ich mag dieses Wort nicht) Diskussion sein und werden, auch absolut kein Anprangern oder eine Verurteilung von irgendjemandem, nein - einfach meine Gedanken. Es steht selbstverständlich jedem frei, was er da herausliest, vielen Dank.

Ich möcht heut ein bissel was erzählen, es liegt mir auf dem Herzen.

Wer mich kennt, weiß, dass ich kein Mensch bin, der gern vorne stehen möchte oder sich profilieren will. Eher einer, der lieber im Hintergrund bleibt. Freude teilen, das möchte ich, nicht mehr und nicht weniger. Freude, Erfahrungen, Erlebnisse.

Es steht mir auch nicht an, zu belehren. Das überlasse ich mit Recht denen, die Jahre und Jahrzehnte mit den Bracchi gelebt und sie im jagdlichen Einsatz erlebt haben, jenen, denen diese Rasse gehört und die sie dorthin gebracht haben, wo sie jetzt steht. Vom Ursprung an - den Italienern.

Gedanken nach einem erneuten Erfolg von einem der Nachkommen aus meiner Hündin Edora Compatriota di Bonfini „Luna“ x Attinio Venator d‘Ursus.

Einer der Rüden meines A-Wurfes hat ja dieser Tage nach dem Ablegen des Derbys und der Brauchbarkeit, auch noch die Feld- und Wasserprüfung in Ungarn abgelegt und bestanden.

Ich freue mich riesig, denn er ist der 6. Hund von 10 Nachkommen, die nun, teilweise mehrfach, jagdlich geprüft sind, das ist mehr als ich damals zu träumen gewagt hab.

Zwei jagdlich passionierte und aktiv geführte, auch mehrfach geprüfte Hunde zu verpaaren, ist ein guter Grundstein, jedoch aufgrund des 1. Wurfes ja doch immer wieder fraglich, was tatsächlich daraus wird.

Einiges, jedoch immer noch wenig, wissen wir über die Vorfahren unserer Hunde, trotz eingehender Recherche und Informationen. Sich da genügend Wissen anzueignen bedarf jeder Menge Zeit und die richtigen Kontakte, die die Erfahrungen und Kenntnisse auch gerne weitergeben, das Ziel die Rasse in ihrer Ursprünglichkeit zu erhalten.

Geprüft sein, das heißt selbstverständlich nicht immer, auch jagdlich aktiv zu sein. Das ist immer wieder ein Thema, doch ist es bei den Hunden meines ersten Wurfes in hohem Maße der Fall. Das war das Ziel und es ist größtenteils erreicht worden, darf ich heute, nach 2 1/2 Jahren sagen.
Die einen mehr, die anderen weniger, die einen so, die anderen so. Wie jeder lebt, wie jeder glaubt.

Der Bracco Italiano - meine persönlichen Erfahrungen und Gedanken, Erlebnisse und Beobachtungen über die 6 Jahre, in denen sie das Leben mit mir teilt.

Grundsätzlich und ohne Frage, eine sehr alte Jagdhunderasse, ursprünglich in Italien zur Vogeljagd gezüchtet. Exzellente Nasen, nahezu unverändert seit dem Ursprung.

Für Viele, in den letzten paar Jahren rapide mehr werdende Liebhaber einfach optisch ein schicker Hund, weil der so lieb ausschaut mit den langen Behängen und der vielen Haut.

Etwas Besonderes, überhaupt als Welpe. Später dann groß, edel, majestätisch irgendwie. Mit erhebendem Blick. Toll!

Für Viele, sehr Viele, etwas Exotisches, das nicht jeder hat. „So etwas will ich auch, das passt so gut zu meiner Einrichtung. Oder zu meinem Auto oder zu meinem Kleidungsstil.“

Ich erinnere mich an: „Der würde toll in meine Boutique in der Innenstadt passen..., weiß - orange soll er sein...“, ich habe abgelehnt. Ich wusste nicht, wie viel Passion beider Eltern weitergegeben wird, wusste aber mein Ziel dieses Wurfes, vorrangig die jagdliche Beschäftigung.
Falls hier gleich der Einwand kommt, ich habe ja damals trotzdem einen Welpen an jemand abgegeben, der seiner Passion nicht......etc. Ja habe ich, nach reiflicher Überlegung, viel Vorabinformation und absolutem Primat auf jagdliche Linien und der Bestimmung, für die diese Rasse entstanden ist, auch sollte der Hund ähnlich der jagdlichen Arbeit genügend Beschäftigung, angepasst an den Vorstehhund erhalten.

Faszination, Profilierungssucht, was auch immer.
Sehr viele, oder schon zu viele...?

Die ausdauernde, raumgreifende Suche im Feld, die hohe Nase in den Wind gehalten, das Finden und Vorstehen von Federwild unter der Flinte. Und das noch im schnellen Trab, dem berühmten Trotto.

So stieß ich auf Gleichgesinnte, die sich ebenso wie ich, mit der Rasse, mit dem Ursprung und mit dem, wofür sie einst gezüchtet wurde, beschäftigten und ihrer Faszination ebenso erlagen.

Unter den Interessierten gibt’s die, die sich erkundigen, wenn man in unseren Breiten mit dem Hund erscheint, fasziniert zuhören und alles ganz toll finden. Sich aber trotzdem, wenn dann der Zeitpunkt da ist, für übliche, bekannte Rassen entscheiden würden, aus diversen und auch guten Gründen. Verständlich und auch gut so. Unbekanntes macht oft auch unsicher. Unbekanntes macht aber oft auch neugierig!

Das sind die, die sich entschieden haben, dem Neuen in Ihrem Jägerleben Platz zu machen, und der faltige herzige Welpe zieht ein.

Darunter gibt’s dann wieder die, die erst alles ganz super finden, einfach ein Bild vor Augen haben und dann am Ende enttäuscht sind, weil siehe da, das Wesentliche vergessen wurde, an das einst Aufgenommene nicht mehr gedacht wurde, man versäumt hat, was da noch so ist oder vielleicht gar nicht ist, oder auch anders. Ganz anders als die oder die Rasse. Na eh.

Aber dann gibt’s auch die, die mit ihrem genauso angeeigneten Wissen ins kalte Wasser springen, mit den Schultern zucken, und einfach tun, in dem Sinn, wie der Wiener so schön sagt: „Nau schauma mal!“ Voran mit uns!
Koste es was und dauere es solange es wolle!
Die, die alles ablegen, was sie so von Führern anderer Rassen hören, „vorgegebene“ Strategien für sich streichen oder auch abändern, die, die mit ihrem Italiener ihren Weg einschlagen und auch gehen.
Wie auch immer er sich tut, wie auch immer er ist. Ihn aufwachsen lassen, mit allen seinen Vorzügen und Andersheiten. Ihn erst mal gerecht, liebevoll und/aber trotzdem konsequent erziehen, ihm die Zeit geben, die er braucht, das als für mich wichtigsten Punkt.
Ihn zeitgerecht in angepasstem Maße an seine späteren Aufgaben heranführen, ihn fördern und auch fordern.
Angepasst an den jeweiligen Typ, an die Rasse und an genau diesen Hund an der Seite.
Die, die sich auch über einen 2. oder sogar 3. Platz auf einer großen Prüfung freuen können, der Hund nicht nur gut ist, wenn er auf dem Podest mit der 1 steht - einfach sagen, wir haben’s geschafft, mein guter Hund!

Einst zur Vogeljagd gezüchtet und verwendet, wird hier bei uns weitaus mehr, anderes verlangt, als es im Ursprungsland immer noch getan wird.
Das Heranführen an Aufgaben, die bei uns normal sind, für den Italiener aber neu oder nicht typisch, mag oft eine Herausforderung für den Führer sein.
Das klappt aber, wenn man sich bewusst ist, dass es unter Umständen länger dauert, anders ausschauen wird, womöglich das Eine oder Andere, wofür er seit jeher nie ver-wendet wurde, auch gar nichts wird. Kann sein, muss nicht sein, genau dieses Eine oder Andere kann man mit gutem Geschick aus dem Italiener durchaus herausholen.

Ich habe mit meiner Hündin eine schwierige Schweißprüfung abgelegt, jedoch nicht, weil das sein musste, weil ich es mit aller Gewalt wollte, sondern weil sich bei ihr in sehr jungen Jahren, ein paar wenigen Monaten gezeigt hat, die macht das einfach. Beim Spazierengehen immer schon die Nase am Boden, auf unserer Rückfährte war ein Hinweis, das auszuprobieren.
Ausgebaut neben dem Eigentlichen, der Feldarbeit, hat es ihrer hohen Nase nicht ge-schadet, andere wird die Schweißarbeit nicht interessieren. Muss sie auch nicht, als Feldhund.
Das eventuelle Niederziehen am Ende der Spur im Echtbetrieb würde ich dem Bracco nicht zutrauen, Ausnahmen bestätigen die Regel aber dafür gibt es andere Rassen.
Der Bracco muss das nicht, als Feldhund.

Da soll er auf einmal für uns freudig ins Wasser, was viele durchaus tun. Möglicherweise benötigt man, um ihn da hin zu bringen, jede Menge Zeit, verrückte Ideen, Geschick und viel viel Geduld.
Der Bracco muss das nicht, als Feldhund.

Da soll er auf einmal im Feld auf der Prüfung links, rechts laufen, und das exakt auf mein Kommando, so wie ich das will.
Wo er doch ohne mich viel besser weiß, wo das Wild liegt.

Da soll er unterm Hochstand über Stunden ruhig abliegen. Er möchte aber doch so gern da hinten im Feld, da vorne in der Wiese auf die Suche gehen, weil er den Fasan in der Nase hat. Bracco - Vogelhund, Feldhund.

Er soll da rüber suchen, weil der Richter das so will, der Hund aber doch schon längst ausgemacht hat, wo der Fasan sitzt, kein Wunder bei den exzellenten Nasen. Prüfungsordnung vs. Jagdpraxis.
Das war auch bei uns eine Mordsarbeit, denn die Selbständigkeit, die der Italiener gern an den Tag legt, ist oft schwer in die gewünschten Bahnen zu lenken.

„Der taugt nix, der ist nix, der ist einfach nur komisch. Hätt ich gewusst …“ usw. ...kenne ich, oft gehört.
Ja für was soll denn der jetzt gut sein ??
Man hätte aber auch daran denken können, was alles im Vorfeld an Informationen mitgegeben wurde.

Zurück zu Jenen, die sich nicht kümmern, was andere tun, was andere können, was andere sagen, wie die anderen meinen, die meinen, so muss das aber.
Sie gehen mit ihrem Exoten diesen, ihren Weg.
Meist grenzen sie sich ab und machen, wenn auch mit geeigneter Hilfe, alleine weiter.
Die Akzeptanz in gängigen Hundeschulen ist teilweise eher rar. Rasse meist unbekannt, aber Vorurteile, gleich in der ersten Stunde, warum auch immer. Alles erlebt.

Nicht üblich, anders, komisch.
Viele schiefe Blicke ernteten wir anfangs und auch heute noch, verzogene Gesichter.
Das hat mich bald dazu gebracht, unseren Weg alleine zu gehen.
Irgendwann aber auch Ausdrücke des Erstaunens, aufgeklappte Münder, Lob und Anerkennung bei und im Anschluss an Jagden, als dann die Leistung des Hundes gesehen wurde.
Wie der so tut.

Beobachtet wurde dieser fremde Hund, den niemand kannte.
Das ist auch mehr als in Ordnung, erzählen kann man viel, das in Natura zu sehen, ist ein ganz anderes Blatt!

Unser Weg, mit aller Zeit der Welt, hat all die Jahre einfach nur Freude gemacht.
Nichts war geplant, alles hat sich mit der Zeit ergeben.
Jedoch erst dann, wenn sich gezeigt hat, jetzt sind wir für dieses oder jenes bereit, ging es einen Schritt weiter. Step by step.
Ich habe mit diesem Hund gelernt, Nichts muss. „Schau ma mal“, wienerisch eben, ge-nau so.

Wie die so sind, wie sie tun, und in erster Linie, wie dieses Mädel so ist und wie sie tut.
Ihres Züchters Worte fest im Kopf verankert.

Immer wieder erwähne ich gerne die Worte, die mir der Züchter von Luna mitgegeben hat, dieser Satz war und ist bis heute mein Wegbegleiter:
„Der Bracco ist kein Soldat“.
Perfekt passend zu meiner Person, denn ich bin ja auch kein Offizier!

Geduld, das habe ich sehr schnell gelernt und das hat die Sache ungemein entspannt.
Jetzt mal das Eine und was danach kommt, wird man sehen. Kein Plan.
Selbstverständlich ist mir klar, dass das nicht überall, nicht immer so läuft, dass es, nehmen wir bestimmte Prüfungen her, in manchen Ländern, wie z.B. Deutschland eine Altersgrenze gibt, etc.
Ich rate daher, dass vor der Anschaffung unbedingt zu bedenken, und dann zu überle-gen, ob’s der richtige Hund, die richtige Rasse ist. Das ist sowieso immer Voraussetzung.

Denn, wenn weit und breit keine Möglichkeiten sind, zu trainieren, den Hund prüfen zu lassen, dann wird das unter Umständen recht mühsam, denn kaum jemand nimmt diese vielen tausend Kilometer in Kauf, die wir in den Jahren zurückgelegt hatten.
Was habe ich für Möglichkeiten, welche Wege kann ich gehen, welche möchte ich gehen! Wie viel Zeit möchte ich, kann ich investieren, bin ich geduldig genug und bereit, dass das Ganze eventuell länger dauert als geplant?
Da sind wir wieder bei dem Wort „Geduld“. Das Begleitwort im Leben mit dem Italiener.
Denn, den Hund „hinprügeln“, weil’s schnell gehen muss, ich verwende das Wort absichtlich, was meiner Meinung nach sowieso ein absolutes no go ist, bringt hier gar nichts,
außer dem Gegenteil. Dann macht der gar nix mehr. Macht zu. Unter Umständen, für immer.

Luni und Atti, beide ein wunderbares Wesen, ein Traumpaar wie in einem kitschigen Märchen als sie sich kennen lernten.
Wäre es anders gewesen, hätte diese Verpaarung nie stattgefunden.
Beide Eltern also jagdlich passioniert, auch aktiv jagdlich geführt, sehr arbeitsfreudig, diese oft erwähnte Sturheit und die in Beschreibungen gern erwähnte Ängstlichkeit, nicht vorhanden.
Daraus sind richtige kleine Jäger entstanden, so wie das gewollt war.
Power und Passion, für die einen aber schon wieder zu viel, für die anderen wieder genau richtig und gut.

An dieser Stelle merke ich vielleicht an, nur rumliegen, in der Sonne dösen, Südländer spielen, gemütlich rumtraben sind nette Bildchen, Momentaufnahmen. Mit jeder Menge Energie und Bewegungsfreudigkeit ausgestattet, zeigt der Bracco da draußen oft ein anderes Bild, als es die teilweise schwerfällig wirkenden Körper und massiven faltigen Köpfe oft vermuten lassen.

Diejenigen, die wissen, dass das Anschieben mühsamer ist, als das Bremsen, finden das ohnehin in Ordnung, denn für das, was wir von ihnen verlangen, dieses Mehr, als ursprünglich gedacht, wäre alles Andere noch ein Stückchen mühsamer.

Jetzt schreit aber wieder der, der meint, ich geh mit dem Hund nicht jagen, meiner braucht das nicht, ich lebe in der Natur mit viel Auslauf, ich möchte einen, einfach weil die so schön ausschauen und mich die so faszinieren.

Alles gut, bis .....das Zwergl wächst und gedeiht, älter wird, die Jugend erblüht, der Jagdtrieb jetzt auf einmal mehr und mehr herauskommt. Daran hat man schon gar nicht mehr gedacht.
Gezeigt hat er das wahrscheinlich schon eher, aber weil er ja noch so klein und faltig ist, ist’s nur der verspielte Welpe, der jedem Schmetterling nachhüpft, weil der so lustig flattert. Und Vogerl nachrennt, und so ...
„Der ist immer weg, der hört nicht, wenn der einen Vogel riecht, kein Federvieh entgeht dem, kein Hase und so weiter. Da hinten bin ich dann nicht mehr vorhanden...“
Etc etc etc, kennen wir ja alle. Ist ja bei anderen Jagdhunderassen auch oft so.
Und dieser sehr sehr bewegungsfreudige Hund darf brav den Rest des Lebens an der Leine gehen und auf dem Sofa liegen.

Klischee.

Trotzdem wird mittlerweile ein sehr hoher Prozentsatz der Hunde nichtjagdlich gehalten, gewollt, weil er so lieb aussieht. Anders ist, besonders. Schön, selbstverständlich ist er das. Tendenz steigend.
Natürlich geht’s. Alles geht. Wer da glücklich oder nicht glücklich ist, sei dahingestellt.
Hier wird es immer unterschiedliche Meinungen geben.

Das sind so tolle Hunde! Natürlich!
Bewegungsfreudig, bei rechtzeitiger und guter Erziehung gut zu händeln, haben ein tolles Wesen, und sind bei richtiger Auslastung super angenehm im Haus zu halten.

Der Bracco pflegt einen großen Bezug zu Familie und Herrn, es entsteht eine wunderbare Bindung, vorausgesetzt man arbeitet viel miteinander, beschäftigt sich ausreichend mit dem Hund, so – wie bei vielen anderen Rassen auch. Beim Jagdhund, so ist das seit je her bekannt, noch mal ein Stück mehr. Team werden, Team sein, Team bleiben. Jagdhelfer.
Er ist kinderfreundlich. Sozial. Mein Gott, was will man denn mehr! Ideal !!
Viele schöne Bilder in den modernen Medien zeigen oft mehr oder weniger große Rudel, Hunde, die einfach nur kuschelig beisammen liegen, miteinander leben. Absolute Gemütlichkeit und Harmonie. Perfekt!
Jagdhunden im Allgemeinen sagt man ohnehin nach, sie seien sehr sozial und umgänglich. Das möchte ich auch gerne bestätigen, jedoch bestätigen auch, ich glaube das darf man nie vergessen, Ausnahmen die Regel.
Grundsätzlich sind es einfach vorrangig Hunde.
Gute Erziehung, der Umgang an sich, ausreichend artgerecht angepasste Beschäftigung und die unbedingte Ordnung im Rudel bei Mehrhundehaltung wird ein wunderbar harmonisches Leben mit dem Bracco hervorbringen. Das bestätigen mir sicherlich die, die das Tag für Tag leben.
Zu überlegen ist auch, so meine ich, ganz wichtig zu erwähnen, passt ein Bracco zu dem jeweiligen Ersthund oder –hunden?
Mit einem durchschnittlichen Gewicht von 30-35 kg und mehr, bin ich nicht sicher, ob’s dem alten Minihund, der über viele Jahre Alleinherrscher in der Familie war, so gefällt, wenn da dieses Pferd im Braccokostüm im Galopp daherkommt, und ihn dann in der Absicht oder eher dann mangels Bremskraft aufgrund der Masse, jedes Mal über den Haufen rennt.
Das ist gut zu überlegen. Ich selbst hab jemanden vor einiger Zeit davon überzeugen können, keinen halbstarken Bracco Rüden zu ihrem alten Chihuaha und dem 14-jährigen Labrador zu nehmen. Die wären, so denke ich nicht glücklich gewesen, es hätte nicht geklappt.
Rüden sind auch beim Bracco Rüden, wenn sich Hündinnen nicht verstehen, dann verstehen sich auch Bracco Hündinnen eventuell nicht mit anderen Hündinnen,. und dass evtl. ein Leben lang.
Auch beim Bracco wird es Exemplare geben, die besser in Alleinhundehaltung zurechtkommen, die da zufriedener und glücklicher sind. Aber auch das ist nicht anders, als bei anderen Hunderassen auch, überhaupt beim Hund an sich.
Naja und das zeitweilige Sabbern erwähne jetzt noch am Rande, denn aufgrund der Lef-zen Beschaffenheit eigentlich selbsterklärend, das nur angemerkt, denn auch dieses Thema ist immer wieder bei Erkundigungen über die Rasse dabei.
Das zum Bracco als Hund.

So, und was will sie denn mit alldem jetzt sagen?

Ich nehme jetzt wieder meinen über die Zeit mitverfolgten Wurf her, Training, Ausbildung und versuche am als Schlusswort das Ganze kurz zu fassen.
Alles geht mit dem nötigen und richtigen Engagement.
Es klappt mit der richtigen Einstellung, es klappt mit teilweise unüblichen Methoden und kreativen Ideen, es klappt mit der nötigen Zeit, die hier in unseren Breiten exotische und seltene Rasse auf den gemeinsamen Weg zu bringen.
Informationen im Vorfeld immer wieder vor Augen, das richtige Umfeld, gemixt mit einem auf den Hund und der Rasse angepassten Training, der dafür nötigen Geduld und dem richtigen Einfühlungsvermögen, daraus werden glückliche Hunde und Besitzer entstehen.

Auch wenn man mal fünfe grade sein lassen muss, pffft, das Leben ist so und so oft streng genug.
Wenn‘s sonst für mich so funktioniert, wie ich es möchte, wenn es dafür genügt, alles im richtigen Rahmen zu haben, ist doch alles in bester Ordnung und alle sind am Ende zufrieden.
Bracchi sind Jagdhunde. Wir alle wissen das, sollten das wissen. Von Natur aus dazu bestimmt, zu suchen und zu finden. Das tun sie auch, und das richtig gut, und für ihr Leben gern. Die Nase mit hoch erhobenem Haupt in den Wind und der erste Gang wird eingelegt, der zweite, der dritte ..der wird schnell, der Bracco.
Ausdauernd, ist er, bis gefunden wird, und es wird gefunden. Alles andere, rund um dieses Fach sind Extras, die wir den Hunden lernen können. Mit Wissen, Geduld und einfach - der richtigen Mischung.

Wir sind ein sehr kleiner Kreis außerhalb Italiens, der diese Rasse dem Ursprung nach hält, führt, arbeitet, mit uns leben lässt.
Deshalb bin ich sehr stolz, dass so ein großer Teil der Welpen heute geprüft und abgeführt ist, jagdlich.
Großer Dank nochmal an die Besitzer an dieser Stelle.

Ich wünsche mir etwas, abschließend:
Es wäre traurig, wenn auch hier diese Veranlagungen langsam verschwinden, wie es bei anderen Rassen längst passiert ist, da kann man bereits einige aufzählen.
Es passiert einfach, wenn vermehrt mit Hunden gezüchtet wird, die die Passion zwar über Generationen zurück in sich tragen aber von Generation zu Generation danach nicht gefördert wird. Es passiert, irgendwann. Und das dann zurückzuholen überdauert eine sehr lange Zeit mit der dann zunehmenden Schwierigkeit passende Elterntiere zu finden, aus denen diese Eigenschaft wieder hervorgeholt werden kann.
Diejenigen, die hier bei uns DEN Bracco, so wie er sein soll, durch gezielte Zuchtauslese, und nicht zu vergessen, auf die Gesundheit achtend erhalten und fördern möchten, haben schon ein schweres Los, denn der Genpool, die Anzahl der Hunde, die man ver-paaren kann ist verschwindend gering. Eine große Aufgabe. Deshalb sollte sich jeder der diese Rasse züchtet gut überlegen ob er Wiederholungswürfe macht oder wie oft er eine Hündin oder einen Rüden einsetzt, denn Voll- oder Halbgeschwister werden auf Dauer diese Rasse nicht weiterbringen zumal wenn Hunde zur Zucht eingesetzt werden die kei-ne oder nur minimalste Prüfungen absolviert haben oder eine Wesensschwäche mit rasseuntypischer Aggressivität zeigen.

Es darf nicht sein, dass dieser faszinierende Jagdhund mangels jagdlicher Passion als Showhund degradiert oder als Personenspürhund zweckentfremdet wird, dafür gibt es eine sehr große Auswahl anderer Rassen.
Ein arbeitsfreudiger Hund, geboren für die Jagd, das soll der Bracco Italiano bleiben. Im Sinne der Italiener, im Sinne des Heimatlandes der Rasse Bracco Italiano.

Danke schön.
Only my 2 cent, wie man so schön sagt ....

Angelika & Luna